Snoot für den Aufsteckblitz


Dem Blitz sagen wo‘s lang geht!

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Kleine Helfer wie dieser sind bei der intensiveren Arbeit mit Blitzlicht unerlässlich.
Egal ob Kompaktblitz oder Studioblitz, Lichtformer aller Art sind wichtige Gestaltungshilfsmittel.


Einen solchen Aufsatz kann man in vielfältigen Variationen käuflich erstehen. Von billig (in zweifacher Hinsicht) bis zur ausgefuchsten Technik für teueres Geld ist alles zu kriegen. So ist es durchaus im Rahmen der Möglichkeiten 40,- EUR und mehr für ein wenig Kunstoff vom namhaften Hersteller auf den Ladentisch zu blättern.

Das es auch anders geht, möchte ich in diesem Beitrag zeigen. Die gezeigte Lösung fällt eher in die Kategorie „Einfach“ ist aber dennoch flexibel und vielfältig einsetzbar.

Das Bild zeigt ein Kompaktblitzgerät mit angesetztem Snoot. Dieser entsteht aus einer rechteckigen „Platte“, die zu einer Rolle gewickelt wird. So weit nichts wirklich weltbewegendes, schließlich könnte man ja auch einfach ein Stück Pappe zusammenwickeln, oder? Na ja, ein wenig mehr Gedanken hab ich mir dabei schon gemacht.


Überblick:

Die oben erwähnte „Platte“ besteht aus einem Trägermaterial, dass mit zwei unterschiedlichen Materialien kaschiert ist. Während die eine Seite eine reflektierende Oberfläche (Rettungsdecke) erhalten hat, ist die andere mit lichtschluckendem Material (Velours) beschichtet. Das ganze ist dann noch mit Klettbändern an den nötigen Stellen versehen.

Ansicht der Vorder- und Rückseite.


Im Detail:

An das Trägermaterial werden einige Anforderungen gestellt, die sich nicht so leicht unter einen Hut bringen lassen:
relativ leicht flexibel sollte nach einer Verformung in seine Ursprungsform zurückgehen (weitestgehend) einigermaßen stabil/steif.

Pappkarton:
Wird zwar oft und gerne zum Basteln verwendet, hat auch die nötige Festigkeit, ist leicht und auch einigermaßen flexibel. Aber... Karton hat leider auch die Eigenschaft bei engen Biegeradien an der Außenseite zu reißen. Er ist auch nicht immer willens in seine Ursprungsform zurückzukehren, wenn eine gewisse Biegung überschritten wurde.

Metall(Folie):
Super flexibel und schnellt förmlich in die Ausgangslage/Form zurück (vor allem gehärteter Stahl). Ist aber leider zu schwer bei der Fläche.

Kunststoff:
Ist leicht, flexibel, federt recht gut in die Ursprungsform zurück (wenn man die Folie nicht direkt knickt) und bietet auch ein gewisses Maß an Stabilität. Gefällt mir, nehmen wir ;-)

Eine gute und für die verschiedensten Selbstbauprojekte geeignete Folie hab ich bei der Firma „modulor.de“ aufgetrieben. Diese so genannte Leuchtkastenfolie ist 0,24mm stark, transluzent (55% Lichtdurchlässigkeit), milchig weiß und beidseitig mattiert. Es gibt sie in verschiedenen Größen, von A4 (0,65€) bis 1x1,4m (7,90 €).

Übrigens:
Die Folie eignet sich auch hervorragend für den Bau von Hohlkehlen oder Tischen für die Tabletop-Fotografie.

Leuchtkastenfolie von der Firma „modulor.de“. In relativ großen Größen erhältlich und vielseitig einsetzbar.


Aufbau:

Die reflektierende Seite des Snoots habe ich flächendeckend mit einem Stück Rettungsfolie beklebt. Ob silber oder gold, bleibt jedem selbst überlassen. Wer keinen ebenmäßigen Reflektor haben möchte, kann die Rettungsdecke zuvor kräftig zerknüllen. Die Befestigung erfolge ganz einfach mittels doppelseitigem Klebeband (das dünne ohne Schaumstoffzwischenlage). Die Klebestreifen sollten zumindest einmal sauber am äußersten Rand des Trägermaterials herumgeführt werden. Zudem sollte die Folie innerhalb der Fläche einige male fixiert werden, um ein aufwölben (flattern) zu verhindern. Von einer vollflächigen Befestigung würde ich hingegen abraten.

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Selbstklebender Velours um die zweite Seite zu einem Licht-schlucker zu machen. Ist leider nirgends wirklich günstig zu bekommen. Falls Sie eine gute Bezugsquelle kennen, lassen Sie es mich bitte wissen. Ich werde es dann hier veröffentlichen.


Die Rückseite wird einfach mit einem selbstklebenden Velours bezogen. In meinem Beispiel habe ich den Samt an allen vier Seiten einen guten Zentimeter überstehen lassen und anschließend nach vorne umgeschlagen. Dabei die Ecken aussparen (siehe Skizze; Trägermaterial ist hellgrün dargestellt).

Vektorgrafik Zuschnitt

Ein leichtes abschrägen der Ecken ermöglicht ein sauberes Umlegen der Kanten, ohne dabei unschöne Überstände an de Ecken zu erhalten.


Durch das Umschlagen werden die Kanten geschlossen, die Rettungsfolie kann nicht mehr aufstehen und es sieht sauber verarbeitet aus.

Was nun noch fehlt ist die Möglichkeit, den Snoot am Blitz zu befestigen. Dazu habe ich mich einfach etwas Klettband bedient. Dieses kann man sich im örtlichen Baumarkt besorgen, meist zu horrenden Preisen. Günstiger geht‘s wieder bei der bereits oben erwähnten Firma „modulor.de“. Noch mehr Auswahl bietet die Firma „extremtextil.de“. Hier gibt es Klettbänder von 10mm bis zu 150mm!! Breite als Meterware.

Eine Anmerkung zur Befestigung des Kletts:
Versuchen Sie es erst gar nicht mit der selbstklebenden Variante! Das Klebeband löst sich sehr schnell wieder vom Velours. Dabei ist es aber nicht mehr alleine, eine Unmenge an winzigen Härchen begleitet den Klettstreifen auf dessen Rückseite ;-) So schnell „enthaart“ man seinen Velours.
Also bleibt eigentlich nur eine Möglichkeit, um eine wirklich dauerhafte und vor allem belastbare Verbindung zu gewährleisten: Nähnadel frei! Leider ist die Kunststofffolie nicht so leicht zu durchdringen, was das Nähen zur Tortur macht. Wer keine kräftige Nähmaschine zur hat, kann sich evtl. mit einer kleinen Zange behelfen um die Nadel durch die unterschiedlichen Schichten zu drücken/ziehen.

Position der Klettbänder:
Auf der Seite des Blitzgerätes sollten die Streifen so plaziert sein, dass sich der Snoot straff um den Blitzkopf wickeln lässt. Die zweite Seite kann durchaus mit längeren Streifen versehen werden um die Austrittsöffnung einstellen zu können.


Weitere Einsatzmöglichkeiten für den „Selbstbau-Snoot“:
Neben seiner eigentlichen Aufgabe kann der Snoot noch als kleiner Reflektor (z.B. bei Tabletop Fotografie) verwendet werden.

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Hier der Einsatz als Mini-Reflektor. Für kleine Bereiche oder Gegenstände durchaus ausreichend. Durch krümmen der Fläche lassen sich weitere Möglichkeiten erarbeiten.


Auch zum Abschatten kleiner Bereiche kann er wertvolle Dienste leisten

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Störende Reflexe oder unerwünschte Beleuchtung lassen sich durch den Einsatz eines Abschatters verringern oder ganz eliminieren.


Für Anregungen, Verbesserungen, weitere Vorschlägen für Einsatzmöglichkeiten oder Fragen nutzen Sie bitte das Kontaktformular.

Viel Spaß beim Nachbau!


Links zum Thema:

Bastelbedarf und Materialien bei Firma „modulor.de
Gewebe, Bänder, Zubehör, ... gibts bei „extremtextil.de“

© Uwe Walzenbach 2012