"Einfach" bessere Bilder (Teil 3) - Fotos für FB & Co

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Diesmal geht es nicht direkt um den Bildaufbau im Sinne von wo oder was alles im Bild sein soll sondern eher darum was man beim Selbstportrait besser vermeiden sollte.

EBB Teil 3 Titel

Mit FB & Co hat auch neue Form der Fotografie Einzug gehalten oder trat zumindest seinen "Siegeszug" an, das Selbstportrait, mit ausgestrecktem Arm, meist von oben herunter.

Ich weiß, dass Bild oben ist kein solches ;)


Um eine Verbesserung zu erzielen, muss man sich erst einmal bewusst machen, warum etwas  nicht optimal ist. Was also stört (mich persönlich) an so manchen Profilbildern in FB & Co?

  • die Perspektive von oben? Nein, die eher nicht. Diese Perspektive gehört irgendwie dazu und prägt in gewisser Weise auch eine ganze Ära, eben die der Social-Network Generation.
  • Die Location der Aufnahmen oder sollten wir besser sagen die "Klocation";) ? Schon eher. Der Hintergrund ist doch ein maßgeblicher Teil der Aufnahme und trägt, wenn auch oft indirekt zur Bildaussage bei. Bei vielen Bildern könnte man nun interpretieren: "Wir haben nur einen Spiegel und der hängt im Bad!" ;)
  • Die Proportionen, genauer gesagt die der Gesichter. Diese werden oft etwas verzerrt dargestellt. Grund hierfür ist der geringe Abstand oder vielmehr das deshalb notwendige Weitwinkel.


Sehen wir uns also die beiden Problempunkte einmal der Reihe nach an. Da beide Punkte zu einem gewissen Grad ineinander verzahnt sind, ist es schwer sie zu 100% zu trennen. Es wird also zu leichten Überschneidungen kommen.


Die "Klocation" in eine Location verwandeln 

Wer mit dem Handy oder einer kompakten Kamera fotografiert sollte sich einer wichtigen Tatsache bewusst sein: Durch den kleinen oder gar winzigen Bildsensor steigt der Bereich der scharf abgebildet wird, deutlich an. Je kleiner der Sensor, desto größer wird dieser Bereich. Was bedeutet nun "scharf abgebildeter Bereich (Schärfentiefe)"?

Wer fotografiert (fast egal mit was) weiß, dass die Kamera zuerst auf einen bestimmten Punkt scharf gestellt werden muss. Für gewöhnlich sollte das der Punkt sein, an dem sich auch das Motiv befindet. Nun wird aber neben dieser Ebene auch noch ein gewisser Bereich davor und dahinter scharf dargestellt. Von welchen Kriterien hängt die Schärfentiefe ab?

  • Von der Größe des Bildsensors -> kleiner Sensor = größerer Bereich der scharf abgebildet wird
  • Von der eingestellten Blende -> größere Blendenzahl (kleinere Blende) z.B. f8 statt f2,8 = größerer Bereich der scharf abgebildet wird
  • Von der Brennweite die verwendet wird (dem eingestellten Zoom) -> weitwinkliger (weniger Zoom) = größerer Bereich der scharf abgebildet wird


Wenn man sich nun das Badezimmer oder die Toilette als Hintergrund aussucht (weil dort scheinbar der einzige Spiegel im Haus hängt), ist dies natürlich auch auf den Bildern zu sehen. Wer eine Spiegelreflexkamera hat (großer Sensor) und mit offener Blende fotografieren kann, kann den Hintergrund in der Unschärfe etwas "verstecken". Mit Handy oder Kompaktkamera wird es schwierig.


Was kann man in diesem Fall machen, wenn man den Standort z.B. wegen des notwendigen Spiegels ;) nicht verändern kann?

  • Mit der Kamera etwas stärker einzoomen um den Bildausschnitt zu verkleinern. Dabei kann auch ruhig einmal ein wenig der Kopf angeschnitten werden (nicht mehr ganz auf dem Bild sein), auch dass hat seinen Reiz.
  • Neben der richtigen Brennweite (Zoom) sollte natürlich auch der Bildaufbau beachtet werden. Wenn das Gesicht genau in der Mitte platziert wird, ist oberhalb eine Menge freier/unnützer Raum. Mehr Informationen dazu gibt es im vorhergegangenem Beitrag (Drittelregel)
  • Eine kleine Drehung bewirkt manchmal Wunder! Wenn im Spiegel z.B. die Toilette zu sehen ist, dreht man sich samt Kamera eben ein wenig um einen etwas neutraleren Hintergrund zu erhalten (z.B. eine Wand).


Idealerweise sollte man sich natürlich lieber eine schönen Hintergrund suchen. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch wenn dort kein Spiegel ist, kann ja ein Freund oder eine Freundin die Kamera halten und abdrücken. Macht vielleicht sogar noch Spaß, wenn man zusammen mit seinen "Besten" draußen unterwegs ist und fotografiert. Die Mühe wird auf mehrfache Weise belohnt: Schönere Bilder und die Möglichkeit sich von der Masse ein wenig abzuheben.

Und noch ein Hinweis:

Wenn man schon nicht ohne Spiegel auskommt, dann bitte in diesem das Display der Kamera betrachten und nicht in diesen hinein fotografieren, denn dass wäre doppelt schlecht! Man sieht im Bild die Kamera und natürlich auch den Arm, der sie festhält ;) Ausserdem verschlechtert sich die Bildqualität deutlich durch die zusätzliche Brechung des Lichtes. Ein gewöhnlicher Haushaltsspiegel ist alles andere als ein präzises optisches Instrument! Wer sich nun die Frage stellt, was daran nicht in Ordnung sein sollte, möge bitte einmal nahe an ein solches "Reflexionswunder" herantreten und genau hinsehen (etwas schräg hineinblicken und sehr nahe heran). Es gibt zwei Reflexionen! Eine von der reflektierenden Schicht an der Rückseite des Spiegels, die andere stammt vom Glas selbst. Letzteres muss jeder Lichtstrahl zweimal durchqueren, was die Sache auch nicht besser macht!


Punkt Nummer zwei: Das "böse" Weitwinkel!

Natürlich ist nicht das Weitwinkel (geringste Zoomstellung) per se böse vielmehr die ungünstige Anwendung macht es zu einer schlechten Wahl. Um dies ein wenig zu verdeutlichen, habe ich ein zwei Aufnahmen mit unterschiedlichen Brennweiten (Zoomstellungen) gemacht. Eines davon mit einem extremen Weitwinkel, das Andere mit einer einer deutlich längeren Brennweite.

001 MG 4160


Die Darstellung im linken Bild ist bewusst übertrieben aber es soll ja auch die Auswirkungen etwas verdeutlichen. Um ein Gefühl zu bekommen, wie extrem die Aufnahme oben links entstanden ist: Ich habe mit einem sehr starkem Weitwinkel (ca. 16mm) fotografiert und ihm die Kamera ca. 10 cm vor die Nase gehalten. Das ist natürlich schon böse! Die in den üblichen Kompaktkameras verfügbare Weitwinkel Einstellung (meist um die 28mm) erzeugt keinen so deutlichen Effekt, eine Tendenz ist jedoch trotzdem vorhanden.


Wie wirkt denn nun eigentlich ein Weitwinkel?

Genau müsste diese Frage lauten: Wie wirkt das Weitwinkel bei einem sehr geringen Abstand zum fotografierten Objekt?

Nun, wie auf dem Bild oben links deutlich zu sehen, wird alles was nahe an der Kamera ist deutlich verzerrt/vergrößert. Dieser Effekt nimmt nach hinten hin rasch ab und verkehrt sich sogar ins Gegenteil. Kurz gesagt: Nahe dran = riesengroß & weiter weg = klein!

Für unser Negativbeispiel bedeutet dass: Die Nase vom armen Simon wird unverhältnismäßig groß dargestellt während seine Augen irgendwie zu klein wirken. Auch die Gesichtsform wird deutlich verzerrt. 

Im rechten Beispiel ist die Darstellung wesentlich natürlicher. Das Gesicht hat eine gewohnte Form und die Proportionen (Nase, Mund und Augen) sind gefälliger. Es wirkt in Summe deutlich stimmiger.

Dieser Effekt des Weitwinkels verringert sich deutlich bzw. verschwindet nahezu wenn alle Objekt weiter weg von der Kamera sind wie z.B. bei einer Landschaftsaufnahme oder auch einem Gruppenbild.


Das für Portraits schmeichelhafte Tele einsetzen

Wer diese oben beschriebenen Verzerrungen nicht absichtlich (Funfoto) erzeugen möchte, sollte mit der Kamera einfach eine längere Brennweite wählen (einzoomen). Üblicherweise kommt bei Portraits eine Brennweite von 70mm und mehr zum Einsatz. Bei kompakten Kameras wird (leider) selten die Brennweite in Millimetern angezeigt sondern oftmals Zoom 1x, 2x,... Diese Angabe finde ich persönlich wenig hilfreich. Es ist bestenfalls für Marketing-Zwecke gut: "Schau mal, ich habe einen 20x Zoom!".

Was tut man in diesem Fall?

Ganz einfach, man wirft mal einen Blick in die Bedienungsanleitung der Kamera. Dort steht irgendwo (meist bei tech. Daten) der reale Brennweitenbereich der Kamera. Dieser startet oft bei einem Bereich von 28mm und endet dann z.B. bei einem 4x Zoom bei rund 110mm. Wer gut aufgepasst hat, hat festgestellt: Anfangsbrennweite (28mm) x Zoom (4 fach) = Maximalbrennweite (112mm). Mit diesem Wissen können wir also den von uns gewünschten/nötigen Zoom-Faktor errechnen. In unserem Beispiel wäre ab Zoom-Faktor 2,5x eine schöne Brennweite für ein Portrait erreicht. Es darf natürlich auch mehr sein, ganz wie es die Gegebenheiten erfordern bzw. zulassen. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, wo der Brennweitenbereich endet, also ob es sich um eine Kamera mit dreifachen oder zehnfachen Zoom handelt. Entscheidend ist die kleinste Brennweite (hier 28mm), mit der müssen wir rechnen.

Wichtiger Hinweis: Die für die Brennweite angegebenen Werte sind bei fast allen Kameras (ausser sog. Vollformat-Kameras) doppelt angegeben. Einmal die echte Brennweite (z.B. 6,0-24mm) und einmal als 35mm oder KB (Kleinbild) äquivalenten Brennweite (z.B. 28-110mm). Für uns ist immer die Kleinbild äquivalente Brennweite entscheidend!

Die Erklärung des "Warum" würde hier leider den ohnehin schon strapazierten Rahmen sprengen. Deshalb nur soviel: Ein und das Selbe Objektiv würde an unterschiedlich großen Sensoren unterschiedliche Brennweiten ergeben. Um hier vergleichbare Werte zu erhalten, wird die Brennweite immer auf das sog. Kleinbild (KB) umgerechnet. Dies entspricht mit einer Diagonalen von 35mm den Filmen, wie sie vor den Digitalkameras üblicherweise zum Einsatz kamen. So lassen sich die verschiedenen Kameras leichter vergleichen. Man stelle sich stattdessen einmal folgende Angaben vor: "Meine Kamera hat eine Brennweite von 6-24mm bei einer Chipgröße von 1/1,7 Zoll." Wer da kein Mathe-Genie ist hat echt verloren ;) 


Abschließende Worte:

Wie immer gilt: "Jetzt aber los und fleißig probieren!" Auch wen der Arm mal nicht lange genug ist um auf eine Brennweite von z.B. 70mm zu kommen... kreativ sein! Eine Kamera hat meist auch einen zeitverzögerten Auslöser und kann auch mal irgendwo befestigt werden. Dazu würde ich nun nicht unbedingt Klebeband nehmen sondern einfach einen kleinen Helfer Namens "Gorillapod". Dabei handelt es sich um eine Art Stativ. Keine Angst, keines von diesen riesigen Dingern! Vielmehr ein kleines Dreibein, das in alle Richtungen gebogen und verwunden werden kann. So ist es möglich, die Kamera fast überall zu befestigen. Ob man sie nun einfach hinstellt oder vielleicht an einem Ast, Laternenpfahl, Türgriff oder was auch immer aufhängt, die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Das Ganze für unter 20,- €. Mit einem Gewicht von unter 50g stellt es unterwegs auch keine Belastung dar.

In diesem Sinne: Viel Spaß auf neuen Wegen!  


© Uwe Walzenbach 2012