1. französische Filmnacht - aus technischer Sicht


Fotografieren ist malen mit Licht aber was tun wenn (fast) keines da ist?

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Das altehrwürdige Ring-Theater in Amberg war der Ort der Wahl für die 1. französische Filmnacht. Die indirekte Saal-beleuchtung war die einzige Lichtquelle. Nicht gerade viel.


Aus Sicht des Publikums - ein gemütlicher Abend. Aus Sicht der Organisatoren - eine erfolgreiche Primäre. Aus fotografischer Sicht - ein mittlerer Albtraum. Natürlich nur aus „Sicht des Lichts“, ansonsten gab es viel zu entdecken und natürlich auch zu fotografieren.


Um Ihnen einen Eindruck der Lichtverhältnisse zu vermitteln hier ein paar Beispiele:

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Dieses „Kleine Krisen-gespräch“ wurde bei einem Lichtwert (LW) von +1 aufgenommen. Als Kombination betrachtet waren das: ISO 3200; Blende f/1.8 und eine Belichtungszeit von 1/25 Sekunde.


Es ist deutlich zu sehen, dass sowohl Thomas als auch die Säule am rechten Rand bereits deutlich im Bereich der Unschärfe liegen, fokussiert hatte ich auf Eugen. Von Schärfe kann man bei einem solchen Foto natürlich nicht mehr wirklich sprechen. Zum einen ist eine 1/25 Sekunde bei 50mm Brennweite einfach zu lande, zum anderen sind bei einem ISO-Wert von 3200 keine Wunder zu erwarten, Vollformat hin oder her. Da stellt sich wieder die Frage, was ist wichtiger: Eine Bildaussage, eine Situation einfangen oder lieber ein technisch perfektes Bild. Mehr zu diesem Thema im Blog Eintrag „Das perfekte Bild?“.

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Ein weiteres Beispiel: Dieses Bild entstand im Foyer des Kinos. Mit einem Lichtwert (LW) von +3 schon fast komfortabel ;-)

Die Werte:
ISO 3200; Blende f/2 und eine Belichtungszeit von 1/50 Sekunde.


Von Tiefenschärfe kann man bei einer Blende von f/2,0 natürlich nicht wirklich sprechen. Auch die Zeit von 1/50 Sekunde reicht bei weitem nicht um Bewegungsunschärfen in den Griff zu bekommen. Auch hier wieder die Frage: Sind das die entscheidenden Kriterien bei einer solchen Aufnahme? Ich persönlich würde das verneinen. Aus meiner Sicht sind hier eher folgende Punkte ausschlaggebend dieses Bild nicht in den digitalen Papierkorb zu befördern:
- Es zeigt ein gut gefülltes Foyer und somit das Interesse des Publikums an der Veranstaltung
- Im Vordergrund sind einige, sichtlich amüsierte Gäste/Veranstalter
- Der alte Projektor im Hintergrund verdeutlicht zusammen mit den Filmplakaten an der Wand „Hier geht‘s um Kino“. Ohne diese Elemente könnte es genauso gut ein Stehimbiss bei einer Geburtstagsfeier sein.
- Die natürliche Lichtstimmung sowie die Beleuchtungsdetails (Projektor) blieben durch das bewusste Weglassen von Blitzlicht erhalten.

Ich gehöre definitiv nicht zur Fraktion „Blitzlicht ist böse“. Es ist vielmehr von den Gegebenheiten abhängig, ob der Einsatz eher Vor- oder Nahteile mit sich bringt. Im Beispiel oben hätte ich es als störend empfunden. Es hätte sehr wahrscheinlich die vorherrschenden Lichtverhältnisse niedergebügelt, vom störenden Effekt auf die Gäste ganz zu schweigen.

Einzig bei der Begrüßungsrede im Saal habe ich zeitweise ein Blitzgerät eingesetzt. Zunächst ein Bild von dem vielleicht etwas ungewöhnlichen Aufstellungsort meines Blitzgerätes.

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Rechts im Bild ein Speedlite 580EX mit Yongnuo Funkauslöser vor einer Projektorluke.


Auf der rechten Seite des Bildes kann man mein Blitzgerät erkennen. Es steht auf einem kleinen Stativ und wird mittels Funkauslöser gezündet. Übrigens eine weitere Bewährungsprobe der Yongnuo‘s (siehe Blog Eintrag „Yongnuo Funkauslöser“). Die Entfernung war zwar nicht so riesig (geschätzte 20m), dafür ist der Projektorraum gut abgeschottet und mit einer Menge Metall und Elektronik vollgestopft. Diese Umstände führten jedoch zu keinerlei Störung bei dem Funkauslöser. Auch umgekehrt war keine Störung der umliegenden Elektronik (z.B. auch Funkmikrophone) festzustellen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Andreas, der es mir erlaubte, mich im Kino frei zu bewegen.

Die Vorteile dieses Aufstellungsortes waren für mich folgende:
- Die Ausleuchtung war aufgrund der Entfernung deutlich gleichmäßiger als man es mit aufgestecktem Blitz gewohnt ist.
- Die Lichtabfall vom Motiv (Personen am Bühnenrand) zum Hintergrund (Vorhang) ist deutlich reduziert. Grund dafür ist das Verhältnis: Entfernung Motiv zu Hintergrund -> Entfernung Blitz zu Motiv.
- Das Publikum wurde vom Blitzlicht kaum belästigt. Außer einem kurzen Aufleuchten der Bühne war nicht viel davon zu sehen.

Die notwendige Leistung war übrigens relativ gering. Das Speedlite 580EX stand irgendwo bei 1/8 der Maximalleistung.

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Hier ein Beispiel für eines der wenigen „geblitzten“ Bilder des Abends.


Durch die gewählten Einstellungen für die Aufnahmen mit Blitzlicht (f/4,0 und 1/60) wurde der Blitz schon recht deutlich zur Hauptlichtquelle. Ohne Blitz wäre in etwa f/1,4 und 1/20 Sekunde von Nöten gewesen. Das ergibt einen Unterschied von ca. fünf Stufen, den es auszugleichen galt. Da ich natürlich nicht riesige Softboxen vor der Bühne aufbauen konnte (weder für eine Person händelbar, noch dem Publikum zumutbar), ist die Licht-charakteristik der harten Lichtquelle deutlich zu erkennen. Im Vergleich zu einer Aufnahme mit aufgestecktem Blitz ist die Darstellung aber viel natürlicher.

Ein kleines Fazit (aus meiner ganz persönlichen Sicht):
Wenn die (Licht-) Verhältnisse schwieriger werden, ist zunehmend die Kreativität des Fotografen gefragt. Suchen Sie nach Alternativen zum „knack scharfen Bild“.

Setzen Sie die teilweise unvermeidlichen Bewegungsunschärfen als gestalterisches Mittel ein z.B. wie Menschen regelrecht in den Saal „strömen“ oder durch eine Straße „fließen“. Denken Sie bei solchen Experimenten unbedingt an ein Stativ, denn es sind oft mehrere Sekunden Belichtungszeit für derartige Vorhaben von Nöten.

In Sachen Equipment kommen Sie in solchen Situationen mit einer günstigen Festbrennweite (z.B. 50mm F/1,4) wesentlich weiter als mit dem tollen Zoomobjektiv mit einer Lichtstärke von f/4,0. Da hilft auch der schönen roten Ring um‘s Objektiv nichts ;-)

Also lassen Sie sich von schlechten Lichtverhältnissen nicht einschüchtern, es gibt immer Möglichkeiten.

In diesem Sinne, viel Spaß und viel Erfolg bei Ihrer nächsten Herausforderung.


© Uwe Walzenbach 2012